Bibliothek

Einer der hervortretenden Teile des Gebäudeensembles der Erzabtei ist die neben dem Turm und dem Gymnasium gelegene Bibliothek. Obwohl der Bau erst im ersten Drittel des 19. Jahrhundert errichtet wurde, ist der durch die Sammlung verkörperte Geist 1500 Jahre alt. St. Benedikt maß dem Lesen eine so große Rolle im Klosterleben bei, dass die Arbeit der Mönche für uns nicht nur die christliche Literatur der ersten Jahrhunderte, sondern auch die Werke der griechisch-römischen Antike bewahrte und zugleich die Kultur Europas und innerhalb dessen die unseres Landes schuf.

Den Längsteil der Bibliothek entwarf und baute Ferenc Engel in den 1820er Jahren. Danach wurde János Packh mit der Erweiterung des Gebäudes betraut. Sein Werk ist der ovale Teil des Raumes. Mit dem Schmuck der Innenräume wurde der Wiener Meister Josef Klieber beauftragt. An den vier Seiten der Decke des ovalen Saales sind die Symbole der vier Fakultäten abgebildet (Recht, Religion, Medizin und Philosophie). Auch die heute an ihren ursprünglichen Platz gelangten Gipsstatuen der Könige (des Gründers St. Stephan und des Wiedereinsetzers Franz I.) sind sein Werk. Das zentrale Fresko im Längssaal stellt die Gestalt der Pallas Athene (Minerva) dar. An den zwei kürzeren Seiten sind die Büsten von Weisen, Philosophen und Wissenschaftlern platziert, während an den Längsseiten die Büsten herausragender Persönlichkeiten der ungarischen Kulturgeschichte aufgestellt sind. Die Auswahl der dargestellten Persönlichkeiten spiegelt den damaligen Zeitgeist wieder. Die namentlich nicht angegebenen Personen waren Größen der ungarischen Reformzeit.

Laut einer Urkunde aus der Zeit St. Ladislaus (um 1090) waren Ende des 11. Jahrhunderts im Kloster Pannonhalma schon 80 Bände (ca. 200 Werke) registriert. Bei der Auflösung 1786 zählte die Sammlung mehr als 4.000 Bände. 1802 wurden nur 757 Bände und 27 Handschriften in die Bibliothek des Klosters zurückgebracht. Zur Unterbringung der Bücher reichten einige Räume aus, die Bücherzahl wuchs jedoch zu Beginn des 19. Jahrhunderts sprunghaft an. Zu dieser Zeit wurde der Bau eines neuen Bibliotheksgebäudes beschlossen.
Der Bestand der Bibliothek nimmt bis in die Gegenwart zu. Heute werden in der Sammlung ca. 400.000 Bände aufbewahrt.

Suchmöglichkeit in der Bibliothek der Erzabtei und anderen kirchlichen Bibliotheken.